Robert Hoffmann (1939-2022) - Der gequälte Schönling

In seinen Filmen immer blendend aussehend, oft aalglatt, fast oberflächlich wirkend, schwer zu fassen – und zugleich in vielen Rollen hart bestraft: Robert Hoffmann aus Salzburg war einer der wenigen deutschsprachigen Darsteller, die regelmäßig in internationalen Filmproduktionen beschäftigt waren.

Hoffmanns durchschlagender Erfolg kam 1964 mit der Titelrolle im frühen Walter-Ulbrich-Fernseh-Vierteiler „Robinson Crusoe“ (eigentlich: „Die seltsamen und einzigartigen Abenteuer des Robinson Crusoe aus York, berichtet von ihm selbst“). Parallel dazu hatte Hoffmann, der zu dieser Zeit in Paris lebte und als Model arbeitete, bereits größere Nebenrollen in zwei der damals enorm erfolgreichen „Angélique“-Filme übernommen. Rialto-Produzent Horst Wendlandt war stets auf der Suche nach neuen Stars – und Robert Hoffmann war ihm nicht entgangen.

Ein in manchen Momenten fast übernatürlich schöner Mann, der gerade dadurch etwas Künstliches, beinahe Unwirkliches ausstrahlte – vergleichbar mit Thomas Fritsch, Helmut Berger oder Terence Stamp in England oder auch mit Werner Schulenburg in mancher „Derrick“-Folge. Gab es für einen solchen Typ eine geeignete Rolle im Edgar-Wallace-Kosmos?

Wendlandt engagierte ihn für „Neues vom Hexer“ (1965) als den vom Hexer gehetzten aristokratischen Mörder Archie Moore: zunächst kalt und berechnend, dann zunehmend unter Druck, mit Angstschweiß auf der Stirn. Bereits zur Hälfte des Films ist diese Figur längst selbst zum Opfer geworden. Auch wenn Robert Hoffmann später noch deutlich komplexere und stärkere Rollen spielte, ist er hier bemerkenswert, weil dieser Typus innerhalb der Wallace-Welt vergleichsweise selten vorkommt.

In „Top Job – Diamantenraub in Rio“ (1967) – um ein besonders gelungenes Beispiel zu nennen – wird Hoffmanns Rollenfach noch klarer konturiert: Er ist der fast sympathische Verführer, zugleich aalglatt und verlogen. Ein Mann, der unweigerlich bestraft werden muss – darin dürfte sich das Publikum einig sein. Überraschend ist jedoch, wie hart es ihn trifft: Mit Hilfe von Klaus Kinski findet er einen grausamen Tod. Auch privat sollen Kinski und Hoffmann kein gutes Verhältnis gehabt haben. Einen solchen Beau in seinem direkten Umfeld zu ertragen, dürfte Kinski schwergefallen sein. Umso nobler ist es, dass Robert Hoffmann in Interviews niemals schmutzige Wäsche gewaschen hat.

Doch vielleicht wünscht sich die dunklere Seite des Publikums tatsächlich, dass eine Erscheinung wie Robert Hoffmann besonders drastisch bestraft wird. Viele Filme kamen diesem Wunsch bereitwillig nach – und gerade dadurch wirken seine Rollen bis heute so einprägsam und kultig. Weitere erwähnenswerte Filme sind „Der Lügner und die Nonne“ (1967), „Mord im schwarzen Cadillac“ (1969) sowie die Gialli „Die Nacht der rollenden Köpfe“ (1973) und „Spasmo“ (1974).

In den Ludwig-Ganghofer-Verfilmungen der 1970er Jahre zeigte sich der österreichische Schauspieler in einer beinahe heimatlichen Umgebung noch einmal in einem anderen Licht: als Held, dem übel mitgespielt wird, in „Schloss Hubertus“ (1972, Regie: Harald Reinl) und „Der Edelweißkönig“ (1975, Regie: Alfred Vohrer). Hier gibt es – selbstredend – ein Happy End. Diese in der Filmliteratur häufig ignorierten und unterschätzten Filme nutzen Robert Hoffmann äußerst geschickt als Darsteller nahezu mythischer Heldenfiguren. Mir fällt kein Schauspieler ein, der in diesem Rollenfach auf vergleichbarem Niveau überzeugt hätte.

Auch privat wurde der erfolgreiche Star ähnlich hart getroffen wie manche seiner Filmfiguren: Nach einer fehlerhaften medizinischen Behandlung infolge eines Unfalls im Jahr 1970 war er stark bewegungseingeschränkt und entging nur knapp einer Beinamputation. Auch wenn es nicht dazu kam, blieb er fortan deutlich steifer, als es seine Filmauftritte vermuten ließen.

Der Salzburger Robert Hoffmann war einer der wenigen deutschsprachigen Schauspieler, die im internationalen Kino kontinuierlich präsent waren, dafür jedoch vergleichsweise selten im deutschen Fernsehen auftauchten. Das dürfte mit ein Grund sein, warum heute nur noch wenige wissen, von wem die Rede ist. Seine Spur verliert sich im Nirvana des Eurofilms der 1970er Jahre. Der Kosmopolit lebte in Paris, Rom, Madrid und Salzburg, sprach fließend Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch, liebte Cafés und Restaurants in Rom und Madrid und verbrachte seine Zeit gern mit Freunden und Frauen. Hierzulande nahm schließlich kaum jemand Notiz davon, als die Meldung kam, dass Robert Hoffmann am 4. Juli 2022 in seiner Heimatstadt Salzburg gestorben ist.

Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.