Jochen Brockmann - Widerling für besondere Gelegenheiten

Nur in zwei Edgar-Wallace-Filmen spielte das Schwergewicht Jochen Brockmann mit, doch übernahm er jeweils wichtige Schlüsselrollen in besonderen Filmen: „Der Frosch mit der Maske“ war der erste Rialto-Wallace-Film nach dem ersten Band der Goldmann-Taschenkrimis, und „Der Hexer“ basierte auf dem berühmtesten Roman (und Theaterstück), dessen Verfilmung von Horst Wendlandt lange vorbereitet worden war.

Auch sonst trat Brockmann nicht so häufig in Filmen auf wie etwa Werner Peters, der perfekt den nach oben buckelnden und nach unten tretenden, geldgierigen Verlierer verkörperte. Dieses Fach lag auch Brockmann, allerdings noch extremer und pervertierter als bei Peters. In „Der Frosch mit der Maske“ wirkt seine Devotion gegenüber seinem Chef Fritz Rasp oder seiner Liebe Eva Anthes schon allein durch seine Körpersprache abstoßend und bei näherem Hinsehen verstörend: buckelig, schwitzend, mit seinem massigen Körper den Angebeteten im Kriechgang folgend.

Die Auflösung des Films lässt die Figur des Philo Johnson in diesem Zusammenhang geradezu pervers erscheinen, insbesondere wenn man anschließend auch seine brutale Gegenseite erkennt. In „Der Hexer“ spielt Jochen Brockmann Maurice Messer, einen der bekanntesten Verbrecher des Wallace-Kosmos. War Peter Pasetti in Rainer Erlers Fernsehfilm „Der Hexer“ ein Jahr zuvor noch ein eleganter Narzisst, so gestaltet Brockmann die Figur als autoritären Widerling, der vor lauter Körpermasse kaum zu atmen scheint. Seine panische Angst vor dem Hexer ist dabei ebenso ausgeprägt wie seine militärische Autorität und die rücksichtslose Brutalität gegenüber seinen Schergen. Damit wird Maurice Messer zu einem der abstoßendsten Charaktere der Wallace-Filme. Dass er im Finale das für die Dramaturgie wichtigste Mordopfer ist, dürfte kaum jemandem leidtun.

Auch später sah man Brockmann nur selten in Fernsehkrimis. Hervorragend war er in der Kempowski-Verfilmung „Ein Kapitel für sich“ (1979). In Alfred Vohrers Simmel-Film „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ hatte er zudem eine feine Nebenrolle. Schön, dass die Edgar-Wallace-Filme Platz für solch extreme Widerlinge wie Jochen Brockmanns Figuren bieten, denn gerade diese krassen Charaktere machen den größten Spaß!

Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.