Keck, direkt, frech, ehrlich – diese berlinerischen Klischee-Eigenschaften verkörperten Schauspielerinnen wie Edith Hancke, Barbara Schöne oder eben auch Ilse Pagé perfekt. Warum aber wird man mit genau diesem Typus Stammpersonal in gleich sieben Edgar-Wallace-Filmen?
Auch der Scotland-Yard-Chef Sir John, gespielt von Siegfried Schürenberg, ist letztlich eher Comic Relief als realistische britische Autorität: ein etwas verkalkter, blasierter, aber onkelig-guter preußischer General im englischen Kostüm. Zu ihm gesellt sich ab „Die blaue Hand“ (1967) Ilse Pagé – zu Recht eine Berliner Volksschauspielerin genannt – als seine vorwitzige Sekretärin Mabel Finlay. Ist das also alles komplett danebenbesetzt?
Nein, überhaupt nicht – die ganze Sause macht schlicht mächtig Spaß!
Denn die Wallace-Filme sind, machen wir uns nichts vor, Filme für ein deutsches Publikum. Man konnte vertraute Typen – etwa die eigene Nachbarin – plötzlich als Scotland-Yard-Sekretärin erleben. Die britischen Koproduktionen mit tatsächlich britischen Schauspielern taten den Filmen dagegen oft gar nicht so gut. Vielmehr wollten wir vertraute Gesichter und Klischees sehen, die gerade durch ihre englische Maskierung zur Karikatur werden. So konnte man sich selbst bei Scotland Yard ganz zuhause fühlen. Kein Wunder also, dass den Engländern diese Filme sehr deutsch vorkamen und sie folglich wenig damit anfangen konnten.
Neben Eddi Arent, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg und dem Duo Fuchsberger/Drache ist Ilse Pagé ein echter Gewinn als Stammpersonalkraft. Sie macht die Filme noch leichter, parodistischer und selbstironischer – und sie ist zudem die einzige Frau, die mit unverwechselbarem Charisma zur festen Stammbesetzung wurde.
Ilse Pagé ist für die Edgar-Wallace-Filme das, was Berliner Weiße mit Himbeersirup an einem heißen Sommernachmittag für mich ist.
Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.