Hans Söhnker - Besuch anlässlich des Jubiläums

Sollte hier jemand noch die Fernsehserie „Der Forellenhof“ (1965) oder wenigstens „Salto mortale“ (1969–1972) kennen? Puh, dann müssten Sie schon ganz gut in die Jahre gekommen sein. Das waren nämlich gleich zwei der ganz frühen Fernsehserien mit riesigem Erfolg. Eine Hoteliersfamilie und eine Zirkusfamilie standen im Mittelpunkt harmlos unterhaltsamer Geschichten. Hans Söhnker war als Hauptdarsteller einmal Familienvater und dann Zirkusdirektor.

Dass der sympathische Mann aus Kiel ein richtiger Star war, wissen gar nicht mehr viele. Im Grunde genommen wurde Söhnker sogar zweimal als Star gefeiert. Schon zu UFA-Zeiten genoss er große Popularität, sodass er es als einer der ganz wenigen wagen konnte, etwas gegen das NS-Regime zu sagen. Und nicht nur das tat er mitunter ganz offen, er half mehrfach auch aktiv Verfolgten.

Nachdem eine geplante Karriere als Sänger Anfang der 1930er-Jahre allmählich immer mehr in Richtung Schauspielerei mutiert war, spielte Söhnker den attraktiven und dabei meist bodenständig-bescheidenen Helden vieler Filme. Der wohl bedeutendste Film seiner Karriere war Helmut Käutners „Große Freiheit Nr. 7“ (1944), in dem Hans Söhnker unwissentlich der sympathische Gegenspieler des bedauernswerten Hans Albers war. Überhaupt drehte er oft mit Helmut Käutner, was schon ein Qualitätsmerkmal seiner Filme sein dürfte.

Aber auch mit Heinz Rühmann arbeitete er mehrfach zusammen, etwa in der unverwüstlichen Filmkomödie „Der Mustergatte“ (1937). Der Humor entzündet sich hier an Rühmanns Versuch, ein so toller Hecht wie sein Freund Hans Söhnker sein zu wollen.

Nach dem Krieg sah man Söhnker häufig in Filmen als reiferen Hauptdarsteller, meist in Vaterrollen. Die Harmlosigkeit dieser vielen Filme erträgt man mittlerweile nicht einmal mehr im Sonntagnachmittagsprogramm. Erst 1960 kam mit „Die Fastnachtsbeichte“ ein Kriminalfilm, in dem er auch einmal eine negative Figur spielen konnte.

Und nun sind wir endlich bei den Filmen angekommen, die die Leser hier besonders interessieren dürften. In dem flauen Christopher-Lee-Film „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ (1962) gab Hans Söhnker den abgrundtief bösen Professor Moriarty, doch die gesamte Filmgestaltung führte dazu, dass man es bei diesem Versuch einer Sherlock-Holmes-Reihe beließ. Ein Jahr später war Hans Söhnker in dem Bryan-Edgar-Wallace-Film „Das Phantom von Soho“ (1964) sehr geschickt als reifer Scotland-Yard-Chef besetzt, weil er einerseits noch ein glaubhaftes Interesse an der jüngeren Barbara Rütting haben musste und andererseits doch ziemlich zwielichtig erscheinen sollte.

Erst spät war er in einem echten Rialto-Wallace-Film zu Gast. In dem knalligen Jubiläumsfilm „Der Hund von Blackwood Castle“ (1968) sah man ihn als unseriösen und mächtig unter Druck stehenden Anwalt Jackson. Peter Pasetti war wohl ursprünglich eingeplant, aber offen gesagt fallen mir sofort zehn weitere Darsteller ein, die diese kleine Rolle auch locker gestemmt hätten – so überzeugend Hans Söhnker hier letztlich war.

Die Chose ist wohl eher ein Starvehikel, ein Prominententreff für den 25. Wallace-Film der Rialto Film. Und Hotelchef Otto Buchner aus dem „Forellenhof“ reist eben auch extra nach Berlin ins Schloss Blackwood Castle, um mit einer kleinen, feinen Performance zu gratulieren. Während bei Rialto in den kommenden Jahren fantasievoll weitergemordet wird, kümmert sich Hans Söhnker wieder um die allzu menschlichen Probleme seiner Fernsehfamilien. Wenigstens einmal haben sich die Wege gekreuzt.

Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.