Katzenhafte Gesichtszüge, dunkle Haare, blaue Augen sowie hohe Intelligenz, großes Talent und keckes Selbstbewusstsein, dazu ein spektakuläres Privatleben (u. a. Affären mit Günther Pfitzmann und Paul Hubschmid), machten Renate Ewert zu einer der wenigen glamourösen Femme fatales des deutschen Films um 1960.
Die attraktive Schauspielerin und Sängerin (!) war – ähnlich wie Ellen Schwiers – auf den Typ der verruchten jungen Frau festgelegt und hatte es wohl gerade deswegen in der biederen Zeit schwer, aus der Reihe der zweiten Darstellerinnen zum ultimativen Top-Star aufzusteigen. Es brauchte frische Köpfe, die etwas mit Renate Ewert anzufangen wussten. So einer war Jürgen Roland, der verstand, dass sie als Thalia Drummond in dem Edgar-Wallace-Film „Der rote Kreis“ die perfekte Hauptdarstellerin sein würde – und damit sollte sie diesen Film entscheidend prägen.
Leider war sie kein zweites Mal bei Wallace zu sehen. Da sie auch eine passable Sängerin war, sah man sie in einigen Schlagerfilmen, darunter in den eher schwachen „Schlagerkrimis“ „Das Rätsel der grünen Spinne“ und später in „Hotel der toten Gäste“, der ihre gesanglichen Fähigkeiten allerdings nicht nutzte. Interessanter war da schon Jürgen Rolands Krimizweiteiler „Die Katze im Sack“ (1965), in dem sie erneut die halbseidene, glamouröse Femme fatale schlechthin verkörperte, oder auch eine kleine Episode aus „John Klings Abenteuer: 11 Blüten“, in der sie als Gangsterchefin in schwarzem Lack auftrat.
Ihr dramatisches Ende fand die sträflich unterschätzte Schauspielerin durch Alkohol und Tabletten bereits 1966: Ihre Freundin, die Schauspielerin Susanne Cramer, fand sie schließlich mehrere Tage tot in ihrer Wohnung liegend. Renate Ewerts Eltern wählten bald darauf den Freitod, und Freundin Susanne Cramer starb 1969 unter rätselhaften Umständen.
Glamour und Tragik in der BRD – fast vergessen.
Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.