Carl Langes Filmkarriere begann eigentlich erst im fortgeschrittenen Alter von 48 Jahren mit dem Film “Der Stern von Afrika” (1957) - übrigens auch der erste Film von Hansjörg Felmy und Horst Frank. Darauf folgten in schneller Folge viele Filme aus allen Genres: Heimatfilme, Literaturverfilmungen, Kriegsfilme, Western und schließlich auch Kriminalfilme. Ziemlich schnell war er auch in einer Unzahl verschiedener Fernsehspiele zu sehen.
Wenn Carl Lange im Film auftaucht, macht zuerst seine physische Präsenz schon einmal mächtig Eindruck. Der große Flensburger wirkte statisch, robust und bisweilen fast wie ein brutalistisches Monument. Der Kurzhaarschnitt mit dem angegrauten Haar, das große grobe Gesicht voller Entschlossenheit und die raue Stimme unterstrichen diesen Eindruck. Aber es war auch sein Schauspiel, das ihn zu einer unverwechselbaren Figur im deutschen Film werden ließ. Seine ernsten Charaktere waren meist gefestigt, unbeirrbar, schweigsam, unbeugsam und dabei auf kraftvolle Weise handlungsfähig bis brutal. Spielte er positive Rollen, war er dann auch ein betont positiver Charakter - oft im krassen Gegensatz zu seiner negativen Umwelt ( „Nachts, wenn der Teufel kam“, “Fabrik der Offiziere”, „Winnetou III“ und andere). In vielen negativen Rollen hingegen wirkte der große Nordeuropäer sehr einschüchternd auf die Figuren seiner Spielpartner - und auch auf uns.
Carl Lange spielte in dem ersten Rialto-Edgar Wallace- Film „Der Frosch mit der Maske“ (1959) einen autoritären Vater, der seinen Sohn aus dem kriminellen Milieu ziehen will und ist damit exzellent besetzt. Schweigsam, mysteriös, doch sehr entschlossen, erweist er sich gar als Old Ben - Henker von London. Regisseur Harald Reinl besetzte ihn in insgesamt neun Filmen, so auch in dem eher schwächeren Weinert-Wilton-Krimi „Der Teppich des Grauens“ (1962), in dem Carl Lange die geheimnisvollste und interessanteste Figur spielt.
Auch mit Alfred Vohrer drehte Carl Lange ab 1964 fünfmal. In „Wartezimmer zum Jenseits“ war er als narbiger und höchst brutaler Mörder genauso beeindruckend wie als rücksichtsloser Priester in dem Edgar-Wallace-Klassiker „Der Hexer“ (1964).
Kultverdächtig furchteinflößend gestaltete er schließlich den Irrenarzt Dr. Mangrove in Vohrers Wallace-Reißer „Die blaue Hand“ (1967) und erweist sich dabei durchaus auch geeignet als Gothic-Horror-Darsteller, wozu ihm Reinl in „Die Schlangengrube und das Pendel des Todes“ (1967) Gelegenheit bietet.
Immer wieder waren es Ärzte, Geistliche, Generäle, alle möglichen Vorgesetzten, die ein Höchstmaß an Autorität ausstrahlten und ihrer Umwelt nicht selten Angst machten. So zum Beispiel in allen drei Kommissar-Folgen, in denen er mitspielte - als unantastbarer Firmenchef, strenger Vater oder moralischer Onkel.
Leider sind Hauptrollen für solch einen Typ extrem rar gesät, aber es gibt sie doch! Als Höhepunkt seiner Karriere kann man Carl Langes letzten Film unter seinem Stammregisseur Harald Reinl sehen. „Schloss Hubertus“ (1973) bot dem Darsteller sperriger Charaktere endlich solch eine Hauptrolle - als autoritärer Graf Egge Sennefeld, der an seiner zwischenmenschlichen Kälte und seiner Jagdleidenschaft zugrunde geht.
Carl Lange war infolge seines Rollenfachs zwar kein Star, aber eine unverwechselbaren Figur im deutschen Film. Jeden seiner Filme und zahllosen Fernsehspielen hat er durch seine kraftvolle Präsenz gehörig aufgewertet.
Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.