Konrad Georg und Jane Birkin geraten in einen Horrorkeller
Der Film ist großer Mist. Ich schreibe das nicht gerne. Die Hoffnung war da, Exploitation a la Emilio P. Miraglia zu sehen, Trivialität mit Fantasie, bescheidener Trash mit eigener Würde. Ursprünglich kam die Initiative für „Sieben Tote in den Augen der Katze“ aus Deutschland. Mit Luggi Waldleitner als Produzent, Alfred Vohrer als Regisseur und Manfred Purzer als Autor war das ein für Unterhaltungsfilme hochqualifiziertes Trio. Doch es kam nicht dazu. Andere Filme schienen dem Trio wichtiger zu sein. Ich würde nicht ausschließen, dass es auch konzeptionelle Bedenken gab. Und so strudelte das Projekt in eine deutsch-französiche und vor allem italienische Melange. Vielleicht eine gute Alternative. Doch Regisseur Antony M. Dawson (Antonio Margheriti) zerstört alle Hoffnungen auf einen guten Film permanent. Mit Carlo Carlini stand ein fähiger Kameramann zur Verfügung, der auch für seinen Teil einnehmende Bilder lieferte. Komponist Riz Ortolani bewies in vielen Filmen sein hohes Gespür für Ästhetik und Erfindungsreichtum. Vermutlich aufgrund der Gothic-Horror-Elemente dieses Streifens entschied er sich hier für einen eher klassisch orchestralen Score. Soweit wäre alles noch gut.
Das Auffälligste an „Sieben Tote in den Augen der Katze“ ist die schrille Heterogenität des großen Darstellerensembles. Da ursprünglich Alfred Vohrer Regie führen sollte, standen auch einige seiner Stammschauspieler aus den Simmel-Filmen vor der Kamera: Konrad Georg, Anton Diffring und Doris Kunstmann. Konrad Georg, Anton Diffring und Doris Kunstmann. Aus Frankreich Starschauspielerin Jane Birkin und ihr Partner und Mentor, der Musiker Serge Gainsbourg als ermittelnder Inspektor. Beider Skandal-Hit „Je t’aime … moi non plus“ war 1973 in aller Gedächtnis. Italien steuerte renommierte Darsteller wie Dana Ghia und Venantino Venanti bei und der sensibel-fragile Held wird von Hiram Keller der New Yorker Undergroundszene um Andy Wharhol dargestellt. Welch hochexplosive Zusammenstellung! Eigentlich völlig egal, welche Qualität der Film hat, diese illustre Besetzung zwingt allein schon zum Konsum.
Drastische Bilder von Ratten an verwesenden Körpern, untermalt mit hochdramtischer Orchestermusik wecken zunächst noch die Hoffnung, dass es hier vor allem darum geht, mächtig auf die Pauke zu hauen. Doch dann sehen wir ein englisches Schloss in unverblümt mediterraner Landschaft, sehen einen darin herumspähenden Gorilla und schließlich eine Pferdekutsche, die im Jahre 1973 Jane Birkin zum Gemäuer bringt. Und schon ist nach wenigen Minuten klar, welche Art Ideen dem Regisseur kamen, um das Publikum zu faszinieren. Er macht es schwer, jetzt noch etwas ernst zu nehmen und die folgende Szene, in der das hysterische Verhältnis der Schlossbewohner zueinander gezeigt wird, verpufft in Unglaubwürdigkeit. Zumal Hiram Keller seinen psychotischen Adelsspross schon unverzüglich im Maximalgrad darstellen muss. Die Gesellschaft mit ihren Verquickungen erinnert an alte Wallace-Filme, was anscheinend auch so beabsichtigt war. Doch höchstens Anton Diffring als halbseidener Arzt „Franz Herz“ hat den nötigen Raum zu wirken. Alle anderen Darsteller bleiben unbeanspruchte Chargen. Besonders Konrad Georg geht leer aus. Aber so ist nun einmal das Leben für Charakter-Chargen. Manchmal ein glücklicher Film, manchmal auch solch einer wie dieser, der zumindest dem Broterwerb dient.
Aber wie passen Weltstars wie Jane Birkin und Serge Gainsbourg in diese Geisterbahnwelt? Gainsbourg taucht erst in der Mitte des Films auf. Als Inspektor amüsiert er auf den zweiten Blick. Aber nicht durch seine Darstellung, sondern durch die offensichtliche Verweigerung einer Darstellung. Kaum Text, gar keine Handlung, er steht einfach da. Gainsbourg war zu intelligent, als dass das unfreiwillig wäre. Nur selten darf man Zeuge einer so offensichtlichen Unlust an Darstellung zu werden. Immerhin konnte er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin zu den Dreharbeiten anreisen. Jane Birkin musste in Gefahrensituationen ängstlich und erschrocken sein. Keine Herausforderung. Die allgemein als freizügig bekannte Darstellerin lässt exploitative Erwartungen allerdings unbeantwortet. Die im Film geschürte Möglichkeit einer Lesben-Erotik Szene mit der Französisch-Lehrerin Doris Kunsmann wird nicht eingelöst. Gut so! Jane Birkin scheint gewusst zu haben, dass Freizügigkeit an dieser Stelle Imageschaden gewesen wäre. Hoffentlich haben Birkin und Gainsbourg die Zeit neben den Dreharbeiten in Italien genießen können.
Um die Schwerfälligkeit des unmotivierten Handlungsverlaufs zu kaschieren, lässt Margheriti immer mal wieder Skelette, verwesende Leichen und Ratten im Bild auftauchen. Ach ja, und den Gorilla hat er auch nicht vergessen. Bedeutungsschwanger - aber eigentlich ohne Bedeutung - sehen wir immer wieder einmal die titelgebende Perserkatze neben einer Leiche. Und so läuft der Film seinem Ende entgegen. Ich habe den Film dreimal angesehen, mit verschiedenen anderen Zuschauern, die mich am Ende mit großen Augen anstarrten und fragten: „Was war das? Wer sieht sich so etwas an?“ Ich denke, zur Entstehungszeit bediente „Sieben Tote in den Augen der Katze“ die Vorstellungen eines vierzehnjährigen Publikums von einem Gruselkrimi. Allerdings musste man geschickt die Alterskontrolle umgehen. Heute ist der Film eher für Cineasten geeignet, die neugierig auf ein Zusammenprallen von Jane Birkin und Konrad Georg in ein- und demselben Film sind.
Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.